Erste Deutsche Meisterschaft WA 720 der Neuzeit

von d.domazer am So, 02.09.2018 - 19:47

Der Neuzeit ist vielleicht etwas übertrieben, denn es lag ja nichts wie einst bei den Olympischen Spielen über Jahrtausende brach und bedurfte einer Neugründung. Dennoch waren für die 61. Deutsche Meisterschaft im Freien bedeutende Veränderungen geplant, die auch für die Zukunft wirken sollen. Zumindest für die nächsten Jahre ist alternierend die Austragung der DM in Wiesbaden und Berlin geplant. Die Attraktivität und vor allem die Medienpräsenz sollen gesteigert werden. Was vor zwei Jahren in München begann, in Hallbergmoos perfektioniert wurde fand in Wiesbaden jetzt seine Fortsetzung. Die Finalarena.

Zum ersten Mal getrennt vom Vorrundenaustragungsort. Der Immobilienverkäufer spricht immer von Lage, Lage und nochmals Lage. Mehr Lage geht wohl kaum. Die Location hervorragend gewählt und das gesamte Umfeld stimmig. Nach dem Bundesligafinale und dem Weltcup die dritte Veranstaltung die internationales Niveau erreicht. Die Vorrundenveranstaltung konnte da leider nicht Schritt halten. Exemplarisch hier erwähnt das Nachtschiessen der Compounder. Ob der wegen der Entzerrung der Wettkampforte gegenüber vergangenen Meisterschaften veränderte Zeit-und Ablaufplan auch mit den Überschneidungen für 2020 Bestand haben wird, wir werden sehen. Die Arena selbst war leider nicht immer gut besucht, wurde aber zum Höhepunkt hin, den Damen-und Herrenfinals am Sonntag, immer besser frequentiert. Der Stimmung tat dies aber keinen Abbruch. Einige noch vorhandene Längen ließen sich meines Erachtens z.B. durch die Aufnahme von MixTeams verringern. Auch aus sportlicher Sicht gab es einige Überraschungen. Insbesondere bei den Herren. Hier stand nicht Florian Kahlund oder Camilo Mayr am Ende ganz oben sondern der bis dato doch relativ unbekannte Dominic Gölz und er ging sofort nach der Siegerehrung vor Ort Baden, dies allerdings vor Freude.

Überraschend ebenfalls der Titel für Leon Hollas (Döbeln) Compound Herren in seinem ersten Jahr bei den Herren. Bei den Damen Compound setzte sich in Abwesenheit der Nationalkader (Heigenhauser, Meißner, Schall) Sabine Sauter, die Vorjahresdritte durch. Damen Recurve Einzel. Hier gab es keine Überraschungen. Michelle Kroppen holte sich Bronze. Im Goldfinale kam es zur erhofften Begegnung der Hallenweltmeisterin Elena Richter und der Olympiazweiten Lisa Unruh (beide BSC BB Berlin), die souverän ins Finale gelangten. Gleichstand nach zwei Passen (27:27, 24:24) bevor Lisa mit einer 28:27 trotz des z.T. heftigen und ständig drehenden Windes mit dem beide zu kämpfen hatten, auf 4:2 eine Vorentscheidung herbeiführte. In der 4.Passe hatte sie dann auch den ersten Matchpfeil auf dem Bogen. Doch Elena kämpfte und gab das Match noch nicht verloren. Erneut Unentschieden und 5:3. Es sollte sich lohnen und der Kampf geht weiter. 28:25 für Elena und damit Gleichstand und der Stechpfeil musste entscheiden. Angesichts der herrschenden Windverhältnisse schon fast ein Glücksspiel. Elena 8, Lisa 9 und damit die Titelverteidigung. Mit dem Titel und Vizetitel durchaus zufrieden erklärten beide Finalistinnen unisono nicht mit der gezeigten Leistung zu 100% glücklich gewesen zu sein. Da wäre noch mehr drin gewesen.

Titelverteidigung auch bei den Juniorinnen. Sogar Hattrick. Elisa Tartler holte sich souverän zum dritten Mal in Folge den Titel und sagte später, dass sich jetzt die Arbeit der letzten Monate (Marc Dellenbach d. Redakteur) auszahle. Sie war vielleicht ob der Kulisse und des Umfeldes beeindruckt und nervös, lies sich das aber nicht so anmerken wie ihre Gegnerin Sophie Wollenhaupt. Aus Vereinssicht gab es bei den Junioren überraschendes und positives zu vermelden. Ob der Vorleistungen und der Ereignisse im Vorfeld konnte man nicht unbedingt, vielleicht mal abgesehen von der Mannschaftswertung mit Medaillen rechnen. Die Drei, Christoph Breitbach, Jannis Kramer und Carlo Schmidt holten sich nicht nur Gold im Team sondern gingen geschlossen ins ¼ Finale. Rechnen wir Nils Sternberg vom BSSC Olympia noch hinzu, der am gleichen Ort mit den anderen dreien trainiert, waren es 4 Berliner. Carlo Schmidt wurde gleich zu Beginn durch einen Wespenstich am Oberarm aus dem Tunnel und seiner Konzentration gerissen und hatte in der Folge keine Chance mehr. Da waren es noch 2. Kramer gewinnt gegen Breitbach und Scheiding gegen Sternberg. Kleines Finale Christoph gegen Nils mit dem besseren Ende für unser Vereinsmitglied. Im Goldfinale sah Adrian Scheiding (Jena) bereits nach einem zwischenzeitlichen 5:1 wie der sichere Sieger aus, bevor sich Jannis eines besseren besann und die folgenden Passen für sich entschied. Gleichstand und somit Stechen. Die bessere 9 zu Gunsten von Jannis und damit die unerwartete Titelverteidigung. Wem er diesen Titel widmete wissen wir und gönnen ihm diesen Sieg von Herzen.

Eine haben wir noch. Clea Josina Reisenweber, die bei der Kadetten- und Junioren EM in Patras überragende Schützin. Vorrundenvierte geworden kämpfte sie sich im Halbfinale überzeugend ins Finale. Dort wartete die Dritte der Vorrunde Talida Chrubasik, die in sehr guter Form das Finale erreichte. Schnell ging sie mit 4:0 in Führung bevor die dritte Passe die ersten zwei Punkte für Clea brachten. In den folgenden Passen erreichte sie zwar noch zwei Unentschieden, doch es reichte nicht mehr und das Match ging knapp mit 6:4 verloren. Doch Glück oder besser gesagt Können im Unglück. In der Gesamtabrechnung ( Rangliste 1 und 2 sowie DM ) belegte Clea Platz 1 und errang, nachdem sie den Quotenplatz für Deutschland erreicht hatte, auch den Startplatz für die YOG Jugend Olympischen Spiele in Buenos Aires im Herbst. Ein besonderer Erfolg auch für den BSC BB Berlin,  denn nach Cynthia Freywald bereits die zweite Athletin  aus unserem Club bei einer Jugendolympiade und vielleicht mit gleichem Erfolg.

Apropos Erfolg. Nach dieser DM können wir als Club erneut eine positive Bilanz ziehen. Einmal mehr ist der Club im Recurvebereich das Maß der Dinge und mit 11 Medaillen im Gepäck zurück in der Hauptstadt, in der wir im nächsten Jahr ein Heimspiel haben werden.

Carsten Rauchhaus
 

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